Muss das studierende Kind einen Bildungskredit in Anspruch nehmen?

OLG Bremen, Beschluss vom 10.09.2012, 4 UF 94/12

 

Die volljährige Tochter studiert. Der Vater zahlt ihr bisher Unterhalt. Diesen Unterhalt will er reduzieren. Da kommt ihm die Idee, die Tochter auf die Möglichkeit zu verweisen, einen sog. Bildungskredit in Anspruch zu nehmen. Damit soll die Tochter ihren Lebensbedarf decken. Der Streit landet vor Gericht.

 

Der BGH hatte schon im Jahr 1985 entschieden, dass das unterhaltsberechtigte Kind im Rahmen des Zumutbaren auch die Möglichkeit einer Kreditaufnahme zu nutzen habe. Die Entscheidung bezog sich damals auf ein BAföG-Darlehen.

 

Das im vorliegenden Fall zuständige OLG Bremen hat beide Kreditarten vergleichen. Dabei ist es zum Ergebnis gelangt, dass ein Bildungskredit einem BAföG-Darlehen nicht gleichgesetzt werden kann. Das BAföG-Darlehen wird zinslos gewährt, ein Bildungskredit hingegen nicht. Auch ist z.B. ein Erlass der Darlehensschuld bei einem besonders gutem Abschluss des Studiums nur bei einem BAföG-Darlehen möglich, bei einem Bildungskredit aber nicht vorgesehen.

 

Fazit: Nur ein BAföG-Darlehen hätte den Vater finanziell von seiner Unterhaltspflicht entlasten können. Da die Tochter aber keinen BAföG-Anspruch hat, muss der Vater weiter zahlen. Einen anderweitigen Kredit muss sie nicht aufnehmen.