Unterhalt: Welche Erholungsphase des volljährigen Kindes ist von den Eltern zu finanzieren?

OLG Karlsruhe, Beschluss vom 08.03.2012, 2 WF 174/11

Das volljährige Kind absolvierte nach dem Abitur (7/2010) zunächst ein freiwilliges soziales Jahr (9/2010 − Ende 07/2011). Daran schloss sich ein dreiwöchiger Lehrgang zum Rettungssanitäter (8/2011) an. Am 1.1.2011 begann das Kind eine Ausbildung zum Krankenpfleger, um die Wartezeit auf einen Studienplatz für das beabsichtigte Medizinstudium zu überbrücken.

 

Bekommt das Kind Unterhalt für die Monate August und September 2011?

 

„Nein“, sagt das OLG Karlsruhe. Grundsätzlich sei einem volljährigen Kind eine Zeit der Erholung und der Orientierung nur nach Abschluss der Schulausbildung zuzugestehen. Eine „von den Eltern finanzierte Erholungsphase zwischen anderen Sequenzen des Lebensweges“ sei dem Kind grundsätzlich nicht zuzubilligen, so dass ein Volljähriger für die Sicherung seines Lebensunterhalts selbst verantwortlich ist. Aus Sicht des OLG handelte es sich bei den Monaten August und September 2011 um eine bloße Wartezeit zwischen „verschiedenen Beschäftigungen“ mit denen das Kind „die Zeit bis zur Zuteilung des gewünschten Studienplatzes füllt, für die aber eine Unterhaltsverpflichtung der Eltern grundsätzlich nicht besteht“. Das Kind habe auch keinen einheitlichen Ausbildungsgang beschritten, sondern überbrücke „die langjährige Wartezeit für ein späteres Medizinstudium mit verschiedenen Ausbildungen und Tätigkeiten, die ihm mit Blick auf seinen Berufswunsch als sinnvoll erscheinen“.

 

„Entscheidet sich ein volljähriges Kind für eine bestimmte Ausbildung oder für die Ableistung eines freiwilligen sozialen Jahres, so ist die ihm nach Abschluss der Schulzeit zuzugestehende Phase der Erholung auf die Zeit bis zum Beginn der Ausbildung oder des freiwilligen sozialen Jahres beschränkt und lebt auch danach nicht wieder auf“, so das OLG.