Wenn ein Vater das Sparbuch seiner Tochter plündert...

LG Coburg, Beschluss vom 31.05.2010, 33 S 9/10
AG Kronach, Urteil vom 15.12.2009, 1 C 339/09

... dann muss er das abgehobene Geld an sie zurückzahlen.

Es hatte eine Tochter den Vater auf Zahlung von 1.600 EUR verklagt. Diesen Betrag hatte der Vater von einem Sparbuch abgehoben, das sich zwar in seinem Besitz befand, aber auf den Namen der Tochter angelegt war. Das Sparguthaben beruhte auf Geschenken an das Kind (u.a. zu Geburtstagen und Weihnachten). Die Tochter wußte von dem Sparbuch. Im Prozess vertrat der Vater die Auffassung, über das Geld verfügen zu dürfen, u.a. weil er die Einzahlungsbeträge mit eigenem Geld aufgerundet habe.

Die Tochter gewann den Rechtsstreit in beiden Instanzen. Zwar gibt es Fälle, in denen ein naher Angehöriger ein Sparbuch auf den Namen eines Kindes anlegt und trotzdem weiter über den eingezahlten Geldbetrag verfügen kann. In diesen Fällen wüßten die Kinder aber häufig nichts von einem Sparbuch. Zudem beruht vorliegend das Sparguthaben im wesentlichen auf Geschenken Dritter an das Kind. Im Ergebnis habe der Vater daher - so die Gerichte - keinen Anspruch auf das abgehobene Geld. Dass der Vater die Einzahlungen mit eigenem Geld aufrundete, ändere nichts daran, dass es sich beim Sparguthaben um das Vermögen der Tochter gehandelt hat. Nach der Lebenserfahrung sei davon auszugehen, so das Landgericht, dass der Vater auch die Aufrundungsbeträge seiner Tochter zuwenden wollte.