Kein Schadenserersatz für provokanten Bewerber

LAG Köln, Beschluss vom 10.02.2010, 5 Ta 408/09

Leitsätze des LAG:

 

1. Ist ein Bewerber für eine ausgeschriebene Stelle offensichtlich ungeeignet, liegt in seiner Nichtberücksichtigung im weiteren Bewerbungsverfahren keine Benachteiligung im Sinne des § 15 AGG.

 

2. Die offenkundig fehlende Eignung eines Bewerbers kann sich auch aus einem provokanten Auftreten im Bewerbungsverfahren ergeben, so etwa, wenn der Bewerber, ohne zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein, unangemeldet bei der zuständigen Personalleiterin erscheint und ultimativ seine Einstellung fordert, weil er der bestgeeignete und bestqualifizierte Bewerber sei.

 

3. Steht die mangelnde Eignung aufgrund eines solchen Auftretens fest, kann die angebliche nachfolgende Äußerung der Personalleiterin, der Bewerber sei für die Stelle zu alt, kein Indiz für eine Altersdiskriminierung im Sinne des § 22 AGG begründen.

 


Zugrundliegender Fall
:

 

Ein 61-jähriger Bewerber begeht Schadensersatz. Er meint wegen seines Alters im weiteren Bewerbungsverfahren nicht berücksichtigt und damit diskriminiert worden zu sein. Der Kläger hatte sich telefonisch und mit einer kurzen eMail bei der Beklagten auf eine Stelle als Vertriebsleiter mit 15 unterstellten Mitarbeitern beworben. Einige Wochen später suchte er unangemeldet die Personalleiterin der Beklagten auf und forderte ein Gespräch mit ihr. In dem Gespräch erklärte er ihr, der "bestgeeignete und bestqualifizierte Bewerber" zu sein. Streitig ist der Grund für die Ablehnung des Klägers. Die Beklagte führt aus, die Ablehnung des Klägers habe nicht auf seinem Alter beruht, sondern schlicht darauf, dass er in den letzten 14 Jahren keine Vertriebsleiterstelle innegehabt habe. Demgegenüber behauptet der Kläger, die Personalleiterin habe ihm am Schluss des Gesprächs erklärt, einfach zu alt zu sein. Die vom Kläger beantragte Prozesskostenhilfe wurde ihm in beiden Instanzen versagt, da seine Klage "keinerlei Aussicht auf Erfolg" hat. Ausreichende Indizien, die die Vermutung einer altersbedingten Benachteiligung vermuten ließen und zu einem Schadensersatz- und Entschädigungsanspruch führen könnten, seien nicht erkennbar - so das LAG.