Kündigung wegen verspäteter Krankmeldung

LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 18.12.2009, 6 Sa 1239/09

Eine Kündigung wegen einer verspäteten Krankmeldung ist grundsätzlich nur nach einer einschlägigen Abmahnung zulässig.

 

Der klagenden Arbeitnehmerin war gekündigt worden. Dem ging voraus: Die Arbeitnehmerin erschien am 3.7.2007 nicht um 7.00 Uhr zur Arbeit, sondern rief erst gegen 8.00 Uhr im Betrieb an und teilte mit, zum Arzt gehen zu müssen. Im Laufe des Tages erklärte sie dem Arbeitgeber, für zwei Tage krankgeschrieben zu sein. Tatsächlich lag ihr eine Krankschreibung für die ganze Woche vor, worüber sie ihren Arbeitgeber erst am Folgetag informierte. Daraufhin erhielt sie vom Arbeitgeber eine Abmahnung, weil sie hinsichtlich der Dauer ihrer Arbeitsunfähigkeit zunächst gelogen habe. Im Jahr 2008 erschien die Arbeitnehmerin erneut nicht zum Dienst und meldete sich gegen 9.00 Uhr telefonisch krank. Auch am Folgetag kam sie nicht zum Dienst und legte erst gegen Mittag die rückwirkend ausgestellte Krankschreibung mit der Erklärung vor, bis zum Ende der Woche arbeitsunfähig zu sein. Der Arbeitgeber kündigte ihr nun mit der Begründung, sie habe sich verspätet krank gemeldet.

 

Das LAG stellte - wie auch schon die vorhergehende Instanz - die Unwirksamkeit der Kündigung fest.

 

Die Arbeitnehmerin hat zwar (erneut) ihre Pflicht zur unverzüglichen Krankmeldung verletzt, da sie erst gegen 9.00 Uhr den Arbeitgeber über ihre Erkrankung informiete, obgleich Dienstbeginn um 7.00 Uhr war. Es fehlt aber an einer einschlägigen Abmahnung. Die Abmahnung aus dem Jahr 2007 bezieht sich allein auf die falschen Angaben über die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Die Pflicht, dem Arbeitgeber unverzüglich die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer mitzuteilen, wurde gerade nicht abgemahnt.